Wenn ein Elternteil mehr zu Hause ist als das andere

Landschaftsillustration

In manchen Familien arbeitet ein Elternteil ausserhalb des Hauses, während das andere mehr Zeit zu Hause verbringt. Fast von selbst ergibt sich dann, dass der Elternteil daheim auch die Ämtli übernimmt: Wäsche, Einkauf, Kochen, Aufräumen. Anfangs scheint das logisch, doch mit der Zeit kann es sich ungerecht anfühlen, wenn niemand über die Aufteilung gesprochen hat. Beide Seiten verdienen ein klares Bild davon, was der Alltag tatsächlich verlangt.

Zu Hause sein ist nicht dasselbe wie Zeit haben

Wer zu Hause ist, hat nicht automatisch freie Stunden. Zwischen den Aufgaben im Haushalt, den Wegen zur Schule und zum Kindergarten, dem Kochen und den kleinen Unterbrechungen bleibt oft wenig Luft. Umgekehrt ist auch der Elternteil, der ausserhalb arbeitet, am Abend müde und braucht Erholung. Es hilft, dass beide ehrlich sagen, wie ihre Tage aussehen, ohne den eigenen Tag gegen den anderen aufzurechnen.

Ein guter Weg ist, die Aufgaben in feste Bereiche zu teilen. Vielleicht übernimmt der Elternteil, der länger zu Hause ist, die Tagesaufgaben wie Wäsche und Einkauf, während der andere am Abend kocht, die Kinder ins Bett bringt und am Wochenende einen grösseren Teil des Putzens erledigt. Wichtig ist, dass die Verteilung als Ganzes betrachtet wird und nicht jede Aufgabe für sich abgewogen wird.

Auch freie Zeit soll fair verteilt werden. Der eine Elternteil geniesst vielleicht am Samstagvormittag Ruhe, der andere am Sonntag. So hat jeder etwas, worauf er sich freuen kann, und niemand hat das Gefühl, immer im Dienst zu sein. Kleine Zeichen der Wertschätzung, ein Dank am Abend oder eine Tasse Tee, die ohne Aufforderung hingestellt wird, wirken oft stärker als jede Verabredung auf dem Papier.

Von Zeit zu Zeit sollte die Aufteilung überprüft werden, denn Umstände ändern sich. Ein neuer Arbeitsrhythmus, ein Wechsel in der Schule oder ein neues Familienmitglied verlangen eine Anpassung. Wenn beide Erwachsenen regelmässig darüber sprechen, bleibt die Verteilung lebendig und passt sich an, ohne dass sich jemand übergangen fühlt. So wächst das Vertrauen, dass beide am gleichen Strick ziehen, auch wenn sie unterschiedliche Aufgaben tragen. Kinder spüren diese Verbundenheit und lernen dabei, dass Arbeit im Haus und Arbeit ausserhalb beide ihren Wert haben.