In vielen Familien beginnt die Diskussion um die Ämtli immer wieder von vorn: Wer war letzte Woche dran, wer hat den Kehricht hinausgebracht, wer hat schon mehrmals die Spülmaschine ausgeräumt? Ein Ämtli-Rad beendet diese Fragerei, weil die Antwort sichtbar an der Wand hängt. Es besteht aus zwei Scheiben, die sich gegeneinander drehen, und zeigt auf einen Blick, wer diese Woche welche Aufgabe übernimmt.
So entsteht das Rad
Gebastelt ist es schnell. Aus Karton werden zwei runde Scheiben geschnitten, die grössere aussen mit den Namen der Familienmitglieder, die kleinere innen mit den Aufgaben. In der Mitte hält eine Klammer die Scheiben zusammen, damit sie sich drehen lassen. Die Kinder dürfen das Rad bemalen und die Aufgaben mit kleinen Zeichnungen versehen. Dann gehört es allen und hängt gern an einem gut sichtbaren Ort in der Küche.
Welche Ämtli auf das Rad kommen, entscheidet die Familie gemeinsam. Tisch decken, Tisch abräumen, Kehricht und Altpapier hinausbringen, Pflanzen giessen, Schuhe im Eingang ordnen, das Haustier versorgen: Die Liste darf lang sein, solange jede Aufgabe klar beschrieben ist. Es lohnt sich, Aufgaben von unterschiedlichem Aufwand zu mischen, damit nicht immer dieselbe Person die anstrengendste erwischt.
Gedreht wird einmal pro Woche, am besten an einem festen Tag, etwa am Sonntagabend. Das Drehen selbst kann zu einem kleinen Ritual werden, bei dem ein Kind die Scheibe bewegt und alle gespannt zusehen, wo die Aufgaben landen. Wer ein Ämtli nicht mag, tröstet sich damit, dass es in der nächsten Woche schon wieder weiterwandert. Dieser Gedanke nimmt viel Widerstand aus dem Alltag und macht das Ganze fast zu einem Spiel.
Gelegentlich braucht das Rad Anpassungen. Wenn ein Ämtli zu schwer oder zu leicht geworden ist, tauschen die Beteiligten es untereinander oder ändern die Beschreibung. Auch wenn jemand abwesend ist, wird das Rad kurz umgestellt, ohne dass ein Drama daraus entsteht. Hauptsache, alle wissen, dass das Rad gilt und dass Änderungen gemeinsam besprochen werden. So bleibt das System fair und wird über die Monate hinweg verlässlich, ohne dass es jemand jedes Mal neu erklären muss.