Zu der Zeit, zu der alle das Haus verlassen müssen, spielt sich in vielen Familien ein stiller Kampf ab: Die Eltern rufen zum dritten Mal, und im Zimmer dreht sich jemand noch einmal um. Danach sind beide Seiten gereizt, und der Tag beginnt mit schlechter Laune. Dabei hilft es selten, lauter zu werden oder häufiger zu rufen. Besser ist es, den Ablauf so zu gestalten, dass das Aufstehen nicht ständig eine Erwachsenenstimme braucht.
Der Abend davor entscheidet
Vieles lässt sich schon am Vorabend erledigen. Die Schultasche steht gepackt an der Tür, die Kleidung liegt bereit, und das Frühstück ist so vorbereitet, dass es schnell geht. Wenn morgens nur noch wenige Handgriffe bleiben, wird der Druck kleiner, und das Aufstehen fühlt sich weniger nach Kampf an. Auch ein Wecker, den der Jugendliche selbst stellt und selbst ausschaltet, verlagert die Verantwortung dorthin, wo sie hingehört.
Sinnvoll ist ein Gespräch zu einer ruhigen Zeit, nicht mitten im Morgenstress. Die Familie fragt gemeinsam: Was würde dir helfen, damit du pünktlich fertig bist? Manchmal ist es ein Wecker, der weiter weg vom Bett steht, manchmal ein Licht, das sich von allein einschaltet, manchmal einfach die Zusage, dass niemand mehr ins Zimmer kommt und redet. Wer eine eigene Lösung gefunden hat, hält sie meist lieber ein als eine fremde.
Klare Absprachen darüber, was passiert, wenn es doch nicht klappt, gehören dazu, aber ohne Drohungen. Wer zu spät aufsteht, muss den Weg vielleicht ohne Frühstück antreten und selbst erklären, warum er später kommt. Die Erwachsenen räumen nicht jede Folge aus dem Weg und retten nicht jeden Morgen in letzter Minute. So erlebt der Jugendliche die Folgen ruhig und ohne Streit, und das Lernen geht oft schneller, als man denkt.
Auch die Erwachsenen können etwas beitragen. Ein ruhiger Ton am Morgen, ein Getränk, das schon auf dem Tisch steht, und ein kurzer freundlicher Satz statt einer Ermahnung machen den Start leichter. Am Nachmittag findet sich dann Zeit für ein Wort darüber, was gut geklappt hat. Das Lob muss nicht groß sein; es reicht, wenn der Jugendliche merkt, dass seine Mühe bemerkt wurde und dass der Morgen nicht mehr jeden Tag zum Streitthema wird.