Kinder wollen gern helfen, aber nur, wenn sie das Gefühl haben, dass sie es auch schaffen können. Eine Aufgabe, die zu schwer ist, führt schnell zu Tränen oder zum Aufgeben. Eine, die zu leicht ist, wirkt langweilig oder sogar beleidigend. Deshalb lohnt es sich, ab und zu genau hinzusehen, was das eigene Kind tatsächlich kann und was es sich zutraut, statt bloß nach Gewohnheit zu entscheiden.
Klein anfangen und mitwachsen lassen
Bei ganz kleinen Kindern geht es vor allem um das Dabeisein. Sie tragen die Servietten zum Tisch, legen ihre Schuhe ins Regal oder helfen, die Wäsche in den Korb zu werfen. Dass dabei nicht alles perfekt gelingt, ist völlig in Ordnung. Wichtig ist, dass sie erleben, wie selbstverständlich Mithelfen zum Alltag gehört und dass ihre Handgriffe von den Erwachsenen bemerkt und geschätzt werden.
Schulkinder können bereits Aufgaben mit einem klaren Anfang und Ende übernehmen. Sie decken den Tisch, füllen den Wassernapf des Haustiers oder tragen das Altpapier zur Sammelstelle. Solche Pflichten haben den Vorteil, dass man sofort sieht, wann sie erledigt sind. Ein kleiner Haken auf der Liste oder ein Dank am Abend genügt meist als Anerkennung, und der Stolz auf die eigene Zuverlässigkeit wächst von ganz allein.
Jugendliche brauchen Aufgaben, die echte Verantwortung tragen. Sie können ein Abendessen für die Familie kochen, den Wocheneinkauf mitorganisieren oder ihre Wäsche selbst waschen und zusammenlegen. Bei diesen größeren Pflichten spielt es eine große Rolle, dass sie mitbestimmen dürfen, welche Aufgabe sie übernehmen und wann sie erledigt wird. Wer Vertrauen bekommt, geht meist sorgfältiger damit um, als man erwartet.
Der wichtigste Grundsatz lautet, hin und wieder nachzufragen: Ist die Aufgabe noch passend, oder ist sie zu leicht geworden? Kinder verändern sich schnell, und die Pflichten dürfen mit ihnen wachsen. Dabei hilft ein kurzes Gespräch, in dem das Kind selbst sagen darf, was es gern übernehmen möchte und was ihm noch zu schwer vorkommt. Manchmal überrascht ein Kind die Erwachsenen mit einem Wunsch, den man gar nicht erwartet hätte. So bleibt Mithelfen etwas, das mit Stolz verbunden ist, und wird nicht zu einem lästigen Muss.